Wer mit einer Stiftung startet, begibt sich häufig allein auf unbekanntes Terrain. Eine neue Sphäre wird erkundet wie ein neuer Kontinent oder ein neuer Planet. Doch plötzlich steckt man fest. Wo ist jetzt die geeignete Ausrüstung?

Als Stifter oder Stifterin geht man mit anderen Augen durch die eigene Stadt, liest die Zeitungsnachrichten aus einem anderen Blickwinkel und sieht Missstände, die jetzt, dank der Stiftung, beseitigt werden können. Doch wie in fernen Zeiten der Abenteurer und Eroberer begegnen auch Stiftern Unwägbarkeiten und Überraschungen – Dinge, die zuvor bei der Satzungserstellung nicht vorhersehbar oder geplant waren. Damit meine ich gar nicht die rechtliche Seite der Gemeinnützigkeit, die vielen administrativen Vorgänge, sondern die eigene wachsende Unsicherheit, die sich durch die praktische Fördertätigkeit einstellt.

Förderanträge und Projektideen von den unterschiedlichsten Personen und Organisationen gehen bei dem Vorstand ein und eröffnen einen Blick in die Welt der Arbeit anderer Organisationen und ihrer dringlichen Anliegen. Mal erreicht der Antrag die Stiftungsvorstände auf zwei dicht beschriebenen Seiten, mal auf 10 Seiten mit bunten Bildern angereichert. Mal sucht man nach der eigentlichen benötigten Summe, mal hängt der Projektbeschreibung ein fein detaillierter Finanzierungsplan mit einer riesigen Endsumme anbei. Ein Projekt so dazustellen, dass auch ein Dritter es versteht und dem Vorstand die Entscheidung leicht fällt, scheint nicht so einfach zu sein. So unterschiedlich wie die Anträge verfasst sein mögen; dennoch scheinen alle Projekte ihren Sinn zu machen und förderungswürdig zu sein.

Haben Sie sich verlaufen, stecken Sie fest? Unbestimmtheit führt zu Unsicherheit

Nach und nach, ohne es zu merken, entfernen sich der Stifter und die Stifterin von ihren ursprünglichen Ansinnen. Vielleicht hatten sie auch andere Vorstellungen oder haben sich nie ausreichend mit der Sachthematik und den Rahmenbedingungen ihres Stiftungszwecks auseinandergesetzt. Unwillkürlich fängt man an, sich Fragen nach den Möglichkeiten und den Grenzen der eigenen Stiftungstätigkeit zu stellen. Welches Projekt ist wichtiger, welches ist nicht so wichtig? Sollen wir dieses Jahr ein großes Projekt oder lieber mehrere kleinere Projekte unterstützen? Die Sinnfrage wird gestellt.

Doch anstatt sich den eigenen Standpunkt bewusst zu machen, werden unbewusst Strategien entwickelt, um der Unbestimmtheit der Stiftung und der eigenen Unsicherheit über Entscheidungsgrundsätze zu entgehen. So höre ich in Gesprächen mit Vorständen öfter:

  • Jedes Vorstandsmitglied hat bei uns seinen eigenen Schwerpunkt und sein Lieblingsprojekt.
  • Wir fördern nur bekannte, große Organisationen. Sie wissen, wie das Geld am besten einzusetzen ist.
  • Wir gehen nicht in die Öffentlichkeit. So erhalten wir nur wenige Anträge mit denen wir uns intensiv beschäftigen können.
  • Wir suchen uns jedes Jahr eigene Projekte im lokalen Umfeld. Da können wir sicher sein, dass die Förderung auch gut ankommt.
  • Wir haben jetzt ein Formular entwickelt und damit konnte der Prozess verbessert werden.

Unbestimmtheit führt auf Dauer zu Beliebigkeit. Wenn man zusätzlich bemerkt, dass die Stiftungsarbeit nicht mehr die Freude bringt wie am Anfang und die Bearbeitung der Anträge immer mehr zur Routine wird, sollten Sie handeln.

Jetzt hilft nur eins: Es ist Zeit zurückzublicken und die Ausrüstung zu ergänzen

Lassen Sie uns gemeinsam

  • zur Stiftungsgründung zurückkehren und erzählen – Was war der ursprüngliche Schlüsselmoment zur Gründung einer Stiftung? Was hat Sie am meisten berührt. Gibt es in Ihrem Leben eine Geschichte, die mit der Stiftung verbunden ist. Warum haben Sie sich für diesen Zweck entschieden?
  • die bereits geförderten und abgelehnten Projekte betrachten. Welche Systematik können wir dahinter erkennen? Wie wurden die Entscheidungen getroffen, welche Werte stehen hinter den Entscheidungen? Was war für Sie das beste Projekt der vergangenen Jahre?
  • aktuelle Herausforderungen an den in der Satzung formulierten Zweck – Wie kann der Schlüsselmoment auf die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen übertragen werden? Lassen Sie uns über eine Themen- und Umfeldanalyse entscheiden.
  • Ihre Satzung mit anderen Augen und mit dem Wissen von heute betrachten.
  • auf die Finanzsituation schauen und herausfinden, wo Grenzen und Chancen liegen.

Lassen Sie uns gemeinsam herausfinden, was Sie brauchen, damit die Reise der Stiftung weitergehen kann.