Stiftungsberatung Leipzig Barbara Ditze

Vom Tanker zum wendigen Jollenkreuzer?

Jahrelang wurde für Stiftungen das Bild des Tankers bemüht, das schwergewichtig, langsam aber stetig auch durch unruhige Gewässer sein Ziel ansteuert. Spätestens zu dem Zeitpunkt als die Erträge nur noch ein Teil der bisherigen Programme sicherten, war es an der Zeit sich über den Antrieb des Tankers, seine Crew und die Arbeitsabläufe Gedanken zu machen, wollte man nicht rostend im Hafen liegen oder auf großer Fahrt untergehen.

Sicherlich, man kann den Tanker größer bauen und auf neue Anlageklassen setzen, um mit kleinen Reparaturen die Fahrt wieder aufzunehmen – gäbe es nicht gleichzeitig die Auswirkungen der Globalisierung und der Digitalisierung, die unsere Gesellschaft grundlegend verändert und vor neue Herausforderungen stellt.

Die Bundeskanzlerin betonte in ihrer Rede zur Eröffnung des diesjährigen Stiftungstages die Bedeutung der Stiftungen in diesem gesellschaftlichen Prozess. Brauchen wir hierfür vielleicht eher wendige Jollenkreuzer, die in der Lage sind sich immer wieder schnell an neue Gegebenheiten anzupassen und einen weitsichtigen Kapitän, der das Ziel nicht aus den Augen verliert?

Agilität ist das „neue“ Stichwort, das in diesem Zusammenhang immer wieder fällt. Umschrieben wird es mit der Fähigkeit einer Organisation, flexibel, aktiv, anpassungsfähig und mit Initiative in Zeiten des Wandels und Unsicherheit zu agieren. Was für die Organisation, die Struktur und die Prozesse gilt, sollte natürlich auch für die Führungsgremien und die Teammitglieder gelten.

Wie steht es mit der Agilität Ihrer Stiftung? Als Grundpfeiler einer agilen Organisation gelten

  • Offenheit für frische Impulse und einen Blick für Veränderungen
  • das richtige Führungsteam, das unterschiedliche Kompetenzen vereint
  • mitdenkende, entscheidungsbefugte Mitarbeiter
  • Schnelligkeit in der Entscheidungsfindung und eine Verwaltung, die diese nicht blockiert
  • eine gute, ständig aktuelle Wissensgrundlage
  • Partner, die ebenfalls in der Lage sind schnell zu reagieren

Der Blick auf die Agilität einer Stiftung sollte sich nach innen, genauso wie nach außen richten. Die größte Anzahl der Stiftungen sind selbst als (Förder-)Partner eingebunden in gesellschaftliche Strukturen, die reaktionsfähige Partner brauchen.

Wenn Verwaltungsabläufe die Projektarbeit bestimmen oder: wie schnell ist schnell

Stiftungen haben ihre Abläufe durchorganisiert, immer wieder optimiert und entsprechend Verwaltungspersonal eingestellt. Das gilt besonders für Förderstiftungen, die eine große Anzahl an Anträgen erhalten. Manchmal aber ist man in der „Professionalisierung“ über das Ziel hinausgeschossen, ist zu sehr den Standards von Wirtschaftsunternehmen gefolgt. Durch die Arbeit an der Effizienz der eigenen Organisation, ausgerichtet auf interne Bedürfnisse, wie die Verfügbarkeit häufig ehrenamtlicher Gremien und die Delegation der Verwaltung, wurden die heutigen Anforderungen an eine sinnvolle Zweckumsetzung aus den Augen verloren.

Dabei wollen viele Stiftungen Innovation fördern, gesellschaftliche Veränderungen anstoßen, begleiten und unterstützen. In meiner Beratungstätigkeit muss selbst ich hin und wieder Initiativen und Vereinen davon abraten, sich um eine Förderung bei Stiftungen zu bemühen, wenn sie schnell agieren wollen. Ich sehe Unverständnis, wenn z.B. in den Förderrichtlinien ein innovativer Ansatz für ein Veranstaltungsformat gefordert wird, eine komplette Liste der Referenten und einen Finanzierungsplan, die Veranstaltung aber erst in ca. 1,5 Jahren stattfinden kann.  Bis dahin sind weder das Veranstaltungsformat noch innovativ, die Preise aktuell, die Referenten noch in ihren Positionen, geschweige denn das Veranstaltungsthema noch von Relevanz. Oder ein Projekt, bei dem kontinuierliche Kommunikation und Beziehungsarbeit zum Aufbau von Netzwerken wichtig sind, die Förderrichtlinien es aber verbieten, vor Bewilligung des Folgeantrags mit der Arbeit fortzufahren – sprich 8 Monate Untätigkeit. Sicherlich sind dies Beispiele, bei dem die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit der Stiftungen besonders deutlich wird, leider sind sie nicht ausgedacht.

Agilität ist eine Einstellung

Wer sich als Verwalter sieht, wird andere Prioritäten in der Stiftungsarbeit setzen, als jemand, der sich als Gestalter sieht und im Sinne des Stifters das Werk fortsetzt. Stiftungen in sich bieten eine Beständigkeit und ein bewahrendes Moment. Die Satzung gibt einen Handlungsrahmen vor, den Ausdruck des Stifterwillens. In meiner Beratungspraxis begegnet mir daher häufig der Satz, das steht nicht in der Satzung. Allerdings kann es auch nicht im Sinne des Stifters gewesen sein, sein Anliegen durch ein Festhalten an altem Vorgehen ins gesellschaftliche Aus zu manövrieren. Vielleicht werden daher in Zukunft andere Kompetenzen von Vorständen und Stiftungsmanagern gefordert als in der Vergangenheit.

Welche strategischen Anpassungen sind heute notwendig, um die Vorteile eines Tankers mit denen eines Jollenkreuzers zu vereinen? Wo sollte die Stiftung Tanker sein, wo Jollenkreuzer? Lassen Sie uns in einem Workshop agile Faktoren beleuchten und notwendige Änderungen angehen, damit Vermögen, Zweck und Organisation wieder zusammengebracht werden.