Aktiv Zukunft gestalten: Nachfolge planen
Nachfolgeplanung in kleinen, von Ehepaaren geführten Stiftungen – Verantwortung weitergeben, ohne das Lebenswerk loszulassen
Viele kleine Stiftungen sind aus einer sehr persönlichen Motivation heraus entstanden. Häufig wurden sie von Ihnen und Ihrem Ehepartner gegründet, aufgebaut und über viele Jahre mit großem Einsatz selbst geführt. Diese enge Verbindung zur Stiftung ist eine besondere Stärke: Entscheidungen werden aus Überzeugung getroffen, der Stifterwille ist lebendig und die Stiftung trägt eine klare Handschrift.
Irgendwann stellt sich jedoch – oft schleichend – die Frage: Wie geht es weiter, wenn wir uns zurückziehen möchten? Spätestens dann rückt das Thema Nachfolgeplanung in den Mittelpunkt.
In meiner Beratung erlebe ich immer wieder, dass gerade kleine, operativ geführte Stiftungen vor besonderen Herausforderungen stehen. Vorstandstätigkeit, operative Arbeit und strategische Entscheidungen sind häufig eng miteinander verwoben. Wissen ist gewachsen, aber nicht immer dokumentiert. Neue Vorstandsmitglieder „einfach so“ zu finden, erweist sich als schwierig – fachlich, menschlich und zeitlich. Hinzu kommen gestiegene Anforderungen an Vorstände, etwa im Bereich Haftung, Verwaltung und Aufsicht, die potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten eher zurückhaltend machen.
Neben diesen strukturellen Fragen spielt der emotionale Aspekt eine zentrale Rolle. Die Stiftung ist oft ein Lebenswerk. Verantwortung abzugeben bedeutet nicht nur, Aufgaben zu übertragen, sondern auch Vertrauen zu entwickeln: in neue Menschen, neue Prozesse und andere Perspektiven. Das braucht Zeit – und genau diese Zeit sollte man sich nehmen.
Nachfolgeplanung ist deshalb kein einmaliger Schritt, sondern ein Prozess. Ein guter Einstieg ist die ehrliche Klärung der eigenen Rolle: Welche Aufgaben möchten wir künftig noch übernehmen, welche wollen wir bewusst abgeben? Gerade der Wunsch, sich aus der operativen Arbeit zurückzuziehen, ist ein wichtiger Wendepunkt. Hier können klare Strukturen entlasten – etwa durch eine Geschäftsführung, die Auslagerung einzelner Aufgaben oder die stärkere Trennung von operativer und strategischer Verantwortung.
Parallel dazu lohnt sich der gezielte Aufbau zukünftiger Gremienstrukturen. Neue Vorstandsmitglieder lassen sich besser gewinnen, wenn Erwartungen klar formuliert sind, Aufgaben überschaubar bleiben und eine gute Einarbeitung möglich ist. Auch Beiräte oder beratende Gremien können Brücken bauen zwischen Stiftergeneration und Zukunft.
Eine vorausschauende Nachfolgeplanung schafft Sicherheit – für die Stiftung und für die Menschen, die sie gegründet haben. Sie ermöglicht einen Übergang, der nicht abrupt ist, sondern getragen von Klarheit, Vertrauen und Respekt vor dem Gewachsenen. Genau darin sehe ich den Kern meiner Arbeit: Stifterinnen und Stifter dabei zu begleiten, Verantwortung weiterzugeben, ohne ihr Lebenswerk aus der Hand zu geben.
